An jedem zweiten Montag im Februar rückt der Internationale Epilepsie-Tag Menschen in den Fokus, die an Epilepsie leiden – einer schweren neurologischen Erkrankung, von der weltweit rund 50 Millionen Menschen betroffen sind [1,2].
Epileptische Anfälle entstehen durch eine krankhaft gesteigerte Erregbarkeit von Nervenzellen und übermäßige elektrische Entladungen im Gehirn. Art, Lokalisation und Häufigkeit der Anfälle können stark variieren – von seltenen kurzen Episoden bis hin zu mehreren schweren Anfällen pro Tag [2,3].
Gerade bei therapieresistenter Epilepsie im Kindesalter sind die sozialen und familiären Folgen erheblich. Vor diesem Hintergrund fand vor gut zehn Jahren eine natürliche Substanz zunehmend Beachtung, die lange außerhalb der evidenzbasierten Medizin stand: Cannabidiol (CBD) – ein Cannabinoid der Cannabispflanze, das im Gegensatz zu THC nicht berauschend wirkt.
Familien von Kindern mit therapieresistenter Epilepsie suchten zunehmend nach alternativen Behandlungsoptionen, da etablierte Therapien häufig keine ausreichende Anfallskontrolle ermöglichten [3]. Eine viel zitierte Fallstudie schildert die Geschichte von Charlotte Figi, die enorme internationale Aufmerksamkeit erlangte und später auch in der wissenschaftlichen Literatur aufgegriffen wurde [3].
Das fünfjährige Mädchen litt unter etwa 50 medikamentenresistenten epileptischen Anfällen pro Tag. Nachdem ihre Mutter ihr – zusätzlich zur bestehenden antiepileptischen Medikation – ein Öl aus einer CBD-reichen Cannabissorte verabreichte, reduzierte sich die Anfallshäufigkeit auf 2–3 nächtliche Krampfanfälle pro Monat [3]. Was von vielen als Verzweiflungsakt wahrgenommen wurde, markierte für andere den Ausgangspunkt intensivierter klinischer Forschung.
Aufgrund der folgenden Untersuchungen ist die Datenlage heute eine andere:
Mehrere randomisierte, placebokontrollierte Studien zeigten eine signifikante Reduktion der Anfallshäufigkeit bei bestimmten schweren epileptischen Erkrankungen [4-7]. In der EU erfolgte 2019 die erste Zulassung eines CBD-basierten Fertigarzneimittels. Ergänzend liefern neue Studien zunehmend Real-World-Daten zur Anwendung im klinischen Alltag [8].
Fazit
Cannabidiol ist ein Wirkstoff, der Neben- und Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln haben kann und ausschließlich unter ärztlicher Anleitung eingesetzt werden sollte. Der außergewöhnliche Weg, den die verzweifelten Eltern von Charlotte Figi wählten, verdeutlicht, welche Belastung schwere Epilepsieformen für Betroffene und Familien bedeuten – und warum Forschung und Offenheit gegenüber neuen Therapieansätzen unverzichtbar sind.
Wie schätzt ihr die Entwicklung in der Epilepsiebehandlung ein? Welche Rolle spielen neue Therapieansätze – wo seht ihr Evidenz, Grund zur Hoffnung oder gar zur Sorge?
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Quellen:
[1] Epilepsie-Vereinigung Deutschland. 50 Millionen Schritte für Epilepsie. 2026. Verfügbar unter: https://www.epilepsie-vereinigung.de/2026/01/50-millionen-schritte-fuer-epilepsie-2/ (Zugriff am 08.02.2026).
[2] World Health Organization (WHO). Epilepsy – Key facts. 2023. Verfügbar unter: https://www.who.int/news-room/fact-sheets/detail/epilepsy (Zugriff am 08.02.2026).
[3] Cheung KAK, Peiris H, Wallace G, Holland OJ, Mitchell MD. The Interplay between the Endocannabinoid System, Epilepsy and Cannabinoids. Int J Mol Sci. 2019;20(23):6079. doi:10.3390/ijms20236079.
[4] Devinsky O et al. Trial of Cannabidiol for Drug-Resistant Seizures in the Dravet Syndrome. N Engl J Med. 2017;376:2011–2020. doi:10.1056/NEJMoa1611618.
[5] Devinsky O et al. Effect of Cannabidiol on Drop Seizures in the Lennox–Gastaut Syndrome. N Engl J Med. 2018;378:1888–1897. doi:10.1056/NEJMoa1714631.
[6] Thiele EA et al. Cannabidiol in patients with seizures associated with Lennox–Gastaut syndrome. Lancet. 2018;391:1085–1096. doi:10.1016/S0140-6736(18)30136-3.
[7] Perucca E. Cannabinoids in the Treatment of Epilepsy: Hard Evidence at Last? J Epilepsy Res. 2017;7:61–76.
[8] Holländer M et al. Use of cannabidiol for off-label treatment of patients with refractory epilepsies. Neurol Res Pract. 2025;7:49. doi:10.1186/s42466-025-00408-w.
[9] Georgieva D et al. Real-world evaluation of the tolerability and therapy retention of Epidiolex® in refractory epilepsy. Epilepsy Behav. 2023;141:109159. doi:10.1016/j.yebeh.2023.109159.
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